Die Scotch Malt Whisky Society füllt seit jeher ausschließlich Whisky aus individuellen Single Casks ab, begann aber bereits kurz nach ihrer Gründung damit, die Reifung der Whiskys aktiv mitzubestimmen

In den ersten Jahren nach 1983 füllte die SMWS bereits gereifte Whiskys direkt aus dem Fass ab, es wurde jedoch Anne Dana, der ersten Geschäftsführerin der Society, sehr schnell bewusst, dass der Bedarf an dieser kostbaren Ressource das Angebot übersteigen würde. Dies veranlasste Anne dazu,  insbesonders zur Reifung neu produzierter Whiskys eigene Fässer zu kaufen.

Anne dazu: „Ich sagte damals, dass wir hier unbedingt die Initiative ergreifen sollten. Ein voriger Posten reifen Whiskys war gerade abverkauft worden und ich fand es einfach notwendig, dass wir selbst Whisky einlagerten und die dazu verwendeten Fässer auch selbst aussuchten.“

Eine unschätzbare Ressource

Dieses bereits in den Achzigerjahren praktizierte besondere Augenmerk auf die Qualität des Fassholzes setzte sich auch im nächsten Jahrzehnt fort, begleitet von den ersten Versuchen der Society in der zusätzlichen Reifung eingekaufter Single Casks.

Bereits in den Aufzeichnungen von 1991 findet sich der Vermerk über “ein Experiment” mit Fass Nr. 39.7, das nach 12 Jahren in einem Second-Fill Fino-Sherry-Fass in ein “wirklich gutes Oloroso-Fass abgefüllt wurde und dort zwei Jahre ruhte”. Das Ergebnis wurde als “ein tatsächlich sehr guter Whisky” notiert.

The SMWS bottling list from 1991, with an early example of additional maturation.

1995 stellte der damalige Geschäftsführer Richard Gordon den Experten für Holzeinkauf und Nutzung Dr. Jim Swan als Berater ein, was der Praxis der zusätzlichen Reifung eine ganz neue Dynamik verlieh.

Dr Jim Swan, who worked as an adviser with the SMWS on wood management in the 1990s.

„Was Jim damals bei Glenmorangie praktizierte, war für die damalige Zeit bahnbrechend,“ so Richard. „Für uns sollte er sich als unschätzbare Ressource herausstellen, insbesondere was unser Hauptaugenmerk anbelangte, das sich auf erstklassige Holzqualität für Neubefüllungen konzentrierte. Daneben begannen wir beim Einkauf von Fässern auch nach Exemplaren – vor allem Sherry- und Port-Fässer – zu suchen, in denen wir Whiskys verschiedener Altersstufen nachreifen lassen konnten.

Meine Zielvorstellung für die Society damals war es, einen Bestand aufzubauen, der die gesamte Palette von Neuabfüllungen bis zur Vollreife umfasste, anstatt mich einfach darauf zu verlassen, ausgereifte Whiskys zur Abfüllung einzukaufen. Und da das Fassholz eine derart bedeutende Rolle beim Geschmack und der Qualität des Whiskys spielt, war es nur sinnvoll, massiv in hochwertige Fässer zu investieren.

Die meisten unserer eigenen Fässer wurden neu befüllt, aber ziemlich einige wurden auch zur ‚zusätzlichen Reifung‘ eingesetzt. Und da wir uns vorwiegend auf Sherry- und Portfässer konzentrierten, konnten wir auch junge, das heißt drei bis fünf Jahre alte Whiskys einlagern und ihren Geschmack in jahrelanger Reifung vertiefen. Außerdem verwendeten wir Sherry- und Portfässer auch dazu, ältere Whiskys mit einer ein bis zwei Jahre langen Reifung abzurunden.

Damit wurden unsere Whiskys auch für die Mitglieder der Society interessanter und wir konnten über die Jahre hinweg einige absolut herausragende Whiskys gewinnen.”

Die Jahre bei Glenmorangie

Nachdem die Society im Jahr 2004 von Glenmorangie übernommen wurde, profitierten wir auch von dem bereits bestehenden Erfahrungsschatz bei Glenmorangie, wobei insbesondere Master Blender Rachel Barrie und der Leiter von Distilling and Whisky Creation Dr. Bill Lumsden zu nennen sind. „Rachel war für die Fasswahl zuständig und entschied, welche Auswahl für die ‚Extra Matured‘ Whiskys des Glenmorangie-eigenen Sortiments verwendet wurde.“ sagt SMWS Spirits Director Kai Ivalo.

„Ein gutes Beispiel dafür war die Verlagerung von Glenmorangie an die neue, zweckgefertigte Abfüllanlage im Jahr 2011, zu der Rachel eine Charge von rund 100 Fässern zur kurzfristigen Nachreifung organisierte. Die Society profitierte außerdem von Bills Unterstützung bei der Wahl von zur weiteren, längerfristigeren Reifung geeigneten Casks und den sich dazu anbietenden Holzarten und Fässern. Im Grunde genommen war er unser Lehrer, der dann aber auch die Entwicklung mancher dieser Fässer mitverfolgte und überprüfte.”

Wieder unter Eigenregie

2014 richtete die Society ihr eigenes Zollfreilager ein und seit unserer Rückkehr in die Unabhängigkeit 2015 verwaltet SMWS Spirits Manager Euan Campbell dort unseren eigenen Bestand. Er überwacht den Reifungsprozess, zieht Proben für unsere Verkostungsexperten und entscheidet, welche Whiskys von einer Umfüllung von einem Fass in ein anderes profitieren würden.

Neben der Lieferung von Spirituosen werden im Lagerhaus auch regelmäßig leere Fässer in Empfang genommen. Die Society unterhält enge Kontakte mit Küfereien in Schottland, den USA, Portugal, Spanien und Frankreich (d.h. allen bedeutenden Herstellerländern von Eichenfässern) und wir kennen diese Küfereien aus persönlichen Besuchen, bei denen wir uns von der Qualität und Vielfalt der angebotenen Fässer überzeugen konnten.

Euan stellt klar, dass eine Spirituose auch nach der Umfüllung in ein anderes Fass ihren Single Cask Ursprungsstatus beibehält: „Wir füllen direkt von einem Single Cask in einen anderen um. Die Bezeichnung Single Cask beschreibt den Werdegang des jeweiligen Whiskys, dem auf seiner ‚Reise durch verschiedene Fässer‘ nichts abgezogen und nichts hinzugefügt wird.“

Vielfalt und Komplexität

Für Euan bedeutet die zusätzliche Reifung unserer Whiskys mehr Auswahl und Komplexität der Abfüllungen der Society und somit zusätzliche Vorteile für unsere Mitglieder.

„Vielfalt ist seit jeher eines unserer größten Ziele und mit der zusätzlichen Reifung fügen wir dieser Vielfalt verstärkte Komplexität hinzu. Angenommen wir haben eine Charge von 100 Casks, alle davon in First-Fill Bourbon-Fässern. Davon legen wir einige eventuell in Pedro Ximenez Hogsheads aus spanischer Eiche ab, einige in Madeira-, und wieder einige in Oloroso-Fässern. Natürlich verteilen wir nicht die ganze Charge auf unterschiedliche Fässer, aber wir haben die Möglichkeit, etwas Abwechslung zu schaffen und unseren Mitgliedern dadurch schlussendlich mehr Auswahl zu bieten.

Dabei lernt man sehr schnell, was harmoniert und was nicht und ich finde, dass die meisten Whiskyliebhaber eine gute Nase dafür haben, welche Merkmale und Besonderheiten gut zusammenpassen. Der Trick besteht natürlich darin, diese Besonderheiten durch die Auswahl des passenden Fassholzes zum Ausdruck zu bringen. Wenn man dieses Wissen einmal hat und dies mit hochwertigen Spirituosen und erstklassigem Holz verbinden kann, ist es eine ungemein spannende Sache, mit allen diesen Elementen zu experimentieren und schlussendlich etwas zu produzieren, das mit den ursprünglichen Erwartungen vielleicht überhaupt nichts mehr gemeinsam hat.”

Eine gewisse Reife

Richard Gordon denkt heute noch gern an eine Fracht von Sherry Gordas (700-Liter-Fässer) in den Neunzigern zurück, die bei der Society sowohl zur Neubefüllung als auch zur zusätzlichen Reifung eingesetzt wurden.

Richard Gordon, former managing director of The Scotch Malt Whisky Society.

„Unterstützt von Dr. Jim Swan kauften wir diese Monsterfässer ein und verteilten sie in der Branche zur Neubefüllung und Nachreifung. Und dann stieß ich doch erst kürzlich in einem Outturn auf eine 21 Jahre alte Society-Abfüllung aus der Brennerei 35 aus einem dieser Sherry Gordas und konnte es kaum glauben, dass das eine von meinen Abfüllungen war. Wenn ein 21 Jahre alter Whisky als alt und reif gilt, was soll ich dann von mir und meinem Alter sagen?“

Die Antwort darauf ist einfach: Richard ist mittlerweile ein Herr im gewissen Alter, der sehr stolz darauf sein darf, an der ursprünglichen Vision der Society, selbst Bestand anzulegen und die Reifung mitzubestimmen, nachhaltend mitgewirkt zu haben.

Ihm stehen auch die abschließenden Worte zu: „Für uns als unabhängige Organisation betrachtete ich das eigenständige Abfüllungs- und Weiterreifungsprogramm als Kernpunkt unserer Strategie, ein eigenes, zukunftsweisendes Bestandsprofil aufzubauen.

Zur erfolgreichen Umsetzung dieser Strategie mussten wir zwar häufig weit mehr als üblich für die besten Casks bezahlen, aber der Preis verliert sich im Nebel der Zeit und die Qualität und Wertigkeit der damit gewonnenen Whiskys hat die damit verbundenen Ausgaben mehr als gerechtfertigt.”